Die Dialog-Pyramide

Viele Systeme bilden ihre Ausbildungs-Skala in Form von Stufen ab, die zum Ziel führen sollen. Nach oben fokussierende Pyramiden wollen auf das Ergebnis ausrichten und die darunter liegenden Schritte aufzeigen. Der Wunsch „Ich will nach oben“ wird geweckt. Aber da ist dann nur noch eine winzig kleine Spitze, kein Raum, kein Platz, keine weiteren Ausblicke… irgendwie… Ende…

Meine Dialog-Pyramide steht Kopf 😉

Dadurch eröffnet sich ein neuer Blick auf den Weg von einer soliden Grundausbildung hin zu deinen Wünschen, Träumen und Zielen!Dialog-PyramideDiese Dialog-Pyramide ist kein starres Ausbildungs-Schema sondern Hilfe zur Standortbestimmung und Perspektiven-Öffnung. Ein Leitfaden, den du gerne auf dich und dein Pferd anpassen kannst.

Unser erstes Video mit einigen Übungen aus dem Kindergarten und der Grundschule für Pferde ist bei Vimeo erschienen. Hier geht es zum Video!

Es ist ohne Vorbereitung oder spezielles Üben gedreht worden. Eine Momentaufnahme die Beispiel sein soll für die Möglichkeiten des telefonischen Video-Coachings. Hier findet ihr die Analyse dazu: Beispiel Video-Coaching

Der Kindergarten für Pferde am Boden


„Bodenarbeit“ mit unseren Pferden beginnt in dem Moment, in dem wir unserem Pferd zum ersten Mal gegenüber stehen – und das jeden Tag neu. Wenn wir die Koppel, den Paddock oder die Box betreten und unser Pferd begrüßen macht es sich das erste „Bild des Tages“ von uns.

Wie viel Zeit verbringst du neben deinem Pferd? Und wie viel auf ihm?

Im Kindergarten beschäftigen wir uns mit diesen spannenden Fragen:

  • Wie reagiert dein Pferd, wenn du in entspannter Körperhaltung, mit weichem Blick und in natürlicher Körperhaltung auf es zugehst? Geht es weg, ignoriert es dich oder kommt es zu dir?
  • Kannst du es nach einer entspannten Begrüßung am ganzen Körper mit deinen Händen berühren? Ohren, Nüstern, Lippen, Schweifrübe, Beine bis zu den Hufen? Akzeptiert es diese Berührungen, hält es sie aus oder genießt es sie? Fühlt ihr euch? Und wenn ja: Wie fühlt sich das an?
  • Weicht dein Pferd auf bekannte Signale? Beispiel: Was passiert, wenn du beim Misten durch seinen Paddock läufst und es auf dem Weg steht, den du gerne gehen möchtest? Ist es einfacher, mit der randvollen Schubkarre Slalom durch Pfützen zu fahren als dein Pferd zu bitten, drei Schritte zu laufen? Wenn meine Pferde schlafen fahre ich gerne Slalom, aber sonst bevorzuge ich den direkten Weg, ohne ausgebremst zu werden 😉
  • Lässt es dir in Engpässen den Vortritt?
  • Gehören Futterschüssel und Heu solange dir, bis du zur Seite gehst und das Futter freigibst?
  • Lässt dein Pferd sich aufhalftern ohne den Kopf zur Seite zu drehen, zu deutlich hoch zu heben oder extrem zu senken?
  • Was bedeutet das Wort bzw. Körper-Zeichen „Steh“? Steht es still ohne zu fressen, zu schubsen oder zu ziehen?
  • Kannst du dein Pferd von beiden Seiten in bekanntem Umfeld von A nach B führen?
  • Geht auf Signal weich und gerne rückwärts?
  • Gibt alle vier Hufe so lange, dass du sie auskratzen kannst?

Bei (Jung-)Pferden im Kindergarten ist es völlig ausreichend, wenn diese Übungen in gewohntem Umfeld klappen. Beispiel: Ein Jährling, der gerade zum ersten Mal von seiner Mutter getrennt wird, muss in dieser Situation natürlich nicht alle 4 Füße geben oder perfekt rückwärtsgehen. Das gilt auch für sehr unsichere erwachsene Pferde und ähnliche Situationen. Was im gewohnten Umfeld gut klappt, funktioniert nicht automatisch gleich beim ersten Mal in stressigen Situationen.

Sind dir Hausaufgaben aufgefallen? Dann mache sie besser, bevor ihr in die Grundschule wechselt! Alle nicht verinnerlichten Basics werden euch immer wieder einholen, Zeit kosten und vor allem die Freude an eurem Zusammensein trüben! Es lohnt sich genau hin zu schauen und rein zu fühlen! Versprochen!

Diese Basics sind wichtig, wenn Pferde für einen Kurs noch viel zu jung sind. Und für erwachsene Pferde, für die in Kursbesuch noch zu schwierig ist.  Deshalb erscheinen dazu in Kürze in loser Reihenfolge Lehrvideos zu den einzelnen Übungen. Du möchtest darüber informiert werden? Dann melde dich (in der Menüleiste links) zu meinem Newsletter an!

Grundschule am Boden

In der Grundschule wiederhole ich alle Übungen aus dem Kindergarten außerhalb des gewohnten Umfeldes und ohne direktes Beisein anderer Pferde bzw. der Mutterstute.  Das kann außerhalb des Koppelzaunes oder jenseits eines Weges sein. Verlassen wir das gewohnte Umfeld eher selten können diese Übungen schon knifflig werden. Abwechslung hilft.

All diese Übungen werden auch (wieder) interessant, wenn wir mit erwachsenen und eigentlich „gut ausgebildeten“ Pferden den heimatlichen Hof verlassen.

Dazu kommen folgende Übungen:

  • „Steh“ neben mir bedeutet: Alle 4 Füße berühren gleichzeitig und Boden, ohne dass das Pferd frisst oder mich mit Kopf oder Schulter herum schubst
  • Ich kann es mit der Gerte am ganzen Körper abstreichen
  • Auf leichte Einwirkung im Genick (gerne ergänzt durch Stimme) senkt es den Kopf. Damit sage ich ihm „Bitte vertraue mir, ich übernehme die Verantwortung für uns beide“ und es antwortet „Okay, glaube ich dir, ich fühle mich sicher und wohl bei dir.“
  • „Kopf geben“ = Biegung des Halses nach rechts und links, ohne sich zu verwerfen
  • Vorderhand verschieben über Einwirkung meiner Hand und Stimme
  • Hinterhand verschieben über Einwirkung meiner Hand und Stimme
  • Slalom laufen (von links und rechts geführt)
  • Innen- und Außenvolten von links und rechts geführt

Basis und Feinheiten in der Bodenarbeit

Jetzt wird es bunt und vielfältig  🙂

Ihr versteht die Lektionen aus der Grundschule und habt Spaß daran? Wir wiederholen sie kurz, erklären und verfeinern dort, wo es sinnvoll ist. Noch einmal: Funktionieren die Basics nicht, wird alles weitere unnötig schwierig bis unangenehm statt leicht und voller Freude.

Jetzt kommen die wirklich spannenden Übungen. Aber welches Pferd braucht was? Das kann sehr unterschiedlich sein und deshalb gebe ich ab diesem Level nur noch wenig feste Übungen vor. Aber natürlich jede Menge Ideen:

  • Du lernst auf jeden Fall, den Abstand beim Führen auf Gertenlänge zu vergrößern, ohne dass dein Pferd dich überholt oder sich hinter dir versteckt, das Denken komplett dir überlässt und dort „einschläft“.
  • Nun kannst du es besser sehen und auf körperliche Feinheiten wie Bewegungsabläufe, Gewichtsverlagerungen usw. achten. Und was du siehst und spürst kannst du nun verbessern!
  • Sehr wertvoll sind hier Wechsel zwischen Volten und geraden Linien. Ich nenne das „Volten verschieben“.
  • Ist dein Pferd mit seiner Aufmerksamkeit überhaupt noch bei dir? Oder ist es durch die körperliche Distanz auch mit seinen Gedanken weiter weg?
  • Wenn ja: Wie bekommst du ohne viel Druck (wieder) mehr Aufmerksamkeit?
  • Ist es auf Distanz eher unsicher, läuft in der Vorwarnstufe zur Flucht mit kurzen Schritten, hohem Kopf und festem Rücken? Ich zeige dir, wie ihr im Schritt die Dehnungshaltung findet
  • Auf Distanz werden der Slalom um die Pylonen wieder spannend, Volten und Kehrtvolten sind ebenso möglich wie die 8 um zwei oder vier Pylonen
  • Das Reinholen aus der Volte bzw. aus dem Zirkel sowie das Rausschicken im Schritt bildet die Grundlage für die ersten Übungen aus der Freiheitsdressur. Wer kann, kann gerne schon jetzt weitgehend auf das Seil verzichten.
  • Wir verbinden das Verschieben der Vorhand mit dem Verschieben der Hinterhand und bekommen das Seitwärts an der Hand geschenkt
  • Wenn 4 – 6 Stangen vorhanden sind (Kanthölzer aus dem Baumarkt reichen völlig aus) spielen wir mit Vorwärts, Rückwärts und ggf. Seitwärts zwischen und über Stangen
  • Mit den Pylonen lassen sich weitere schöne Übungen für sinnvolle Bewegungsabläufe im Rückwärts aufbauen
  • Einige Übungen aus dem Gelassenheitstraining passen ebenfalls gut in diesen Kurs

Ihr habt keine Pylonen? Nicht schlimm: Plastikflaschen mit Sand gefüllt reichen  😉