Was für ein Zirkus ist das denn?!? Fragst du dich das auch manchmal, wenn du Menschen und ihre Pferde am Podest oder beim Spanischen Schritt beobachtest? Oder einen Menschen, der seinem Pferd den roten Teppich ausrollt obwohl er doch eigentlich möchte, dass das Pferd das tut?

Im Leben ist der Übergang zwischen Sinn und Unsinn gelegentlich fließend, wobei ja nicht alles was wir tun einen wirklich tiefschürfenden Zweck erfüllen muss. Einfach gemeinsam Spaß haben oder ein bisschen spielerisch „rumtüddeln“ gehört für mich zum Leben dazu wie Atmen, Essen und Trinken. Solange es allen Beteiligten gut tut!

Und genau da liegt manchmal der kleine aber feine Unterschied, über den ich kurz sprechen möchte. Denn manche Übungen sehen spaßig und lustig aus, sind aber nicht immer ein Zeichen von ehrlicher Verbindung zwischen Mensch. Außerdem können sie in Situationen, die man als Neuling im Vorfeld vielleicht nicht bewusst im Blick hat, unangenehm werden. Und zwar für alle Beteiligten.

 

Was für ein Zirkus…

… denken wohl mache Pferde-Menschen, während sie Stallkollegen beobachten, deren Pferd beharrlich rechts oder links an einem Podest vorbei läuft und nicht im Traum daran denkt, auch nur einen Huf darauf zu setzen. Dann tanzen beide im Kreis wie Rumpelstilzchen ums Feuer, das Pferd futtert sich an den lockenden Leckerchen satt und schaut seinem Menschen völlig fasziniert zu, wie er unermüdlich das Podest rauf und runter klettert. „Selten war sie so sportlich wie heute“, grinst wohl heimlich manches Pferd…   😉

So weit – so gut – nicht schlimm

Mit ein wenig Hilfestellung ist dieses kleine Missverständnis leicht zu klären, nach kurzer Zeit steht das Pferd mit den Vorderbeinen auf dem Podest und der Mensch glücklich daneben. Wie leicht das gehen kann, zeigt dir Findus in seinem ersten Video am Podest. Im Artikel zum Podest gehen wir natürlich detailliert darauf ein!

 

Wenn Pferde selber denken

Manchmal tun Pferde von sich aus Dinge, die nicht unbedingt in unserem Interesse sind: Meine Stute Jacky wurde am Morgen nach der dritten Übungseinheit am Podest von sich aus aktiv: Sie stieg beim Misten mit einem Vorderhuf in die Schubkarre, weil sie zuvor auf dem Podest Lob und Leckerchen bekommen hatte. Und eine Schubkarre war ihrer Meinung nach wohl fast so gut geeignet wie ein Podest. Na ja, zumindest fast… Ich werde nie ihren Blick vergessen, als das dumme Ding umkippte. Sie wollte doch nur einen Keks und ich bin heftig erschrocken, weil so etwas natürlich nicht ungefährlich ist. Auf der anderen Seite mag ich ja mitdenkende Pferde sehr gerne… Was also tun in einer solchen Situation?

In solchen Augenblicken ist viel Fingerspitzengefühl gefragt, denn sie dachte ja, dass sie mir etwas ganz tolles zeigt, ich mich vor Begeisterung überschlagen und sie dafür belohnt würde. Und mir war es wichtig, dass sie sich nicht weh tut.

Wäre ich in diesem Moment mit einem „Nein“ zu energisch gewesen, hätte ich ihre Freude am Mitdenken enorm getrübt und sie hätte sicher ein wenig von ihrem eigenen Antrieb, ihrer Energie und Lebensfreude verloren. By the way: Das Wörtchen „Nein“ gibt es in meinem Pferde-Wortschatz gar nicht, weil es keine Alternative beinhaltet und nicht erklärt, was ich statt dessen möchte. Es hat in meinen Augen null positiven Wert, dafür aber viel demotivierendes Potential.

Da ich schon von Kindesbeinen an mit Tieren wie mit Menschen rede habe ich ihr ganz selbstverständlich erklärt, was an einer Schubkarre so anders ist als an einem Podest, dass ich mich über ihren Vorschlag sehr freute aber doch gerne erst fertig misten würde bevor wir dann auf den angrenzenden kleinen Sandplatz gehen könnten. Das haben wir dann auch getan und sie stieg fix mit beiden Vorderhufen auf das Podest, so dass wir schon ein wenig an der weiterführenden Aufbau-Übung beginnen konnten.

 

Shit happens

 

Pferd am Podest

 

Manchmal passieren auch völlig unerwartete Dinge wie hier auf einem Kurs: Eine weit fortgeschrittene Teilnehmerin wollte ihr Pferd rückwärts auf ein kleines Podest bitten. Als er zur Antwort auf das Podest äppelte war alles klar.   😂 🤣

 

Mögen Hufpfleger Komplimente?

Über ihre Arbeit ganz bestimmt! Aber manche Pferde denken schon beim Hufe geben ans Kompliment und tauchen plötzlich nach unten weg, was beim Auskratzen der Hufe nicht so praktisch ist. Beim Termin mit dem Hufschmied- oder Pfleger pendelt es dann irgendwo zwischen peinlich und lästig, je nach Hartnäckigkeit des Pferdes und der Gutmütigkeit des Fachmannes. Völlig unnötig, wenn wir im Vorfeld zwei, drei Kleinigkeiten beachten!

 

Lukas und Mona Schäfer

 

Andere Pferde kicken energisch mit einem Vorderbein „Richtung Spanien“, wenn sie mehr Beachtung wünschen. Das kann richtig schmerzhaft bis gefährlich werden, wenn sie ein menschliches Schienbein treffen, vor ihnen ein Kind oder Hund steht oder ein Mensch sich gerade bückt, um etwas aufzuheben. Also lohnt es sich auch da, Gefühl und Verstand zu benutzen.

 

Spanischer Schritt Pferd und Hund

 

Leider habe ich das alles schon erlebt und mehrmals uneinsichtige Kunden verloren weil ich mich geweigert habe, ihren Pferden schon den Spanischen Schritt oder das Steigen beizubringen, weil noch viele Basics fehlten. Ich erkläre immer gerne und ausführlich, was mir warum wichtig ist und 19 Jahre unfallfreies unterrichten bestätigen mir, dass das richtig und wichtig ist.

Wenn du mich schon ein wenig kennst ist dir klar, dass es mir nicht um Effekthascherei und großes Kino geht, sondern um vielseitige Wege, das Zusammensein von Mensch und Pferd zu bereichern.

Gerade in den dunklen Wintermonaten mit oft eingeschränktem Platzangebot braucht es ein wenig Kreativität und Verspieltheit. Dann haben Winterdepris kaum eine Chance!

 

Mein Motto

 

„Sobald Mensch und Pferd sich gemeinsam für das begeistern was sie tun, werden sie zu einer Einheit im Denken, Fühlen und Handeln.“ 

Wenn die Grundlagen von allen Beteiligten verstanden und akzeptiert werden, steht dem Spaß nichts mehr im Wege. All das sind nämlich keine unvermeidbaren Nachteile der Zirkuslektionen, es handelt sich i.d.R. entweder um Missverständnisse oder nicht geklärte Basisfragen.

Daher stelle ich neuen Kunden generell erst einige wichtige Fragen, bevor wir mit ersten kleinen Zirkus-Spielen  beginnen.

Wenn du bei dieser kleinen Gratis-Reihe dabei sein möchtest frage dich bitte schon einmal selber

  • wo in eurer Beziehung noch Missverständnisse bestehen
  • wo sich Gewohnheiten eingeschlichen haben, die Du eigentlich nicht magst
  • und ob es etwas gibt, das Du gerne völlig neu beginnen möchtest.

Entweder im Stillen für dich selbst, im Gespräch mit deinem Pferd und gerne auch mit einigen kurzen Zeilen an mich! Ich freue mich darauf!