Das Ethogramm – Was wir beim Hinschauen alles lernen können!

Hast du heute schon ein Ethogramm über das Verhalten deines Pferdes geschrieben?

Nein? Ich auch nicht  😉  Aber ich war mit meinem zweijährigen Tinkerwallach Findus heute zum ca. zehnten Mal alleine eine kleine Runde in unbekanntem Gelände spazieren. Die März-Sonne scheint seit Tagen, Regen hatten wir schon lange nicht mehr und so sind wir entspannt losgebummelt. Wir haben zum ersten Mal (leider) eine Gruppe von fünf Rehen aufgescheucht, ein großes und interessant riechendes Mais-Silo umrundet und auf dem Rückweg Enten in einem Teich beobachtet.

Ist das schon ein Mini-Etho-Was?

Was hat ein Spaziergang mit Pferd mit einem Ethogramm zu tun?

Erst einmal gar nichts, solange man das Erlebte nicht aufschreibt, auf ein Tonband aufspricht oder auf Video aufnimmt, um es später zu analysieren.

Der Begriff Ethogramm kommt aus der Verhaltensbiologie / Tierpsychologie und ist eine meist schriftliche Auflistung aller gezeigten Verhaltensweisen in einem bestimmten Zeitabschnitt. Also ein Aktionskatalog, der das natürliche Verhalten eines Tieres festhält. Daher ist der Begriff Ethogramm in dieser Situation nicht korrekt verwendet, denn ohne mich am anderen Ende des Seiles wäre Findus ja nicht artig die Wege entlang gelaufen. Auch wenn er gemeinsam mit seinem Bruder ausgebüxt wäre hätte er sich völlig anders verhalten als mit mir.

Eine erzählte Geschichte ist also noch lange kein Ethogramm. Wie es uns hilft unsere Pferde besser zu verstehen, Probleme zu erkennen und zu lösen erkläre ich in diesem Beitrag.

Ein Mini-Ethogramm schreibe ich in Gedanken täglich!

Das viele Üben an Hunden und Wölfen, Katzen und Pferden hat mich in vielen Stunden des Beobachtens während meines Tierpsychologie-Studiums 1993/94 auf kleinste Feinheiten sensibilisiert. Diese zu sehen und zumindest gedanklich zu notieren hilft mir noch heute täglich bei meinen eigenen Tieren, Ausbildungspferden und im Unterricht mit Schülern. Es ist unglaublich effektiv!

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Pferde-Ethogramme schreiben = Tierpsychologie und Hinschauen lernen mit Suchtgefahr!

Die große Herausforderung dabei ist wirklich nur zu notieren was man sieht – ohne zu werten oder bewerten, darüber zu urteilen oder zu verurteilen! Einfach nur beobachten und notieren!  Hinschauen und aufschreiben! Mehr nicht! Langweilig? Unwichtig? Das denken viele Pferde-Menschen, bis sie dann selber herausfinden wie unglaublich spannend es ist und wie viel sie dabei lernen.

An welche Details aus meiner Geschichte kannst du dich erinnern???

  • Name, Rasse, Alter und Geschlecht vom Pferd?
  • Ist es zwei Jahre alt und zum 10. Mal alleine im Gelände oder zehn Jahre alt und seit Jahren 2 x pro Woche alleine und in der Gruppe unterwegs?
  • Ist es Sommer, 25 Grad im Schatten und die Bremsen toben oder ein sonniger Vorfrühlingstag?

Na, wie genau hast du gelesen???      😉

Gönn dir den Spaß und schreibe selber ein Ethogramm über dein Pferd!

Mach dir doch mal den Spaß und nimm etwas zu schreiben mit auf den Paddock oder die Koppel, gib dir fünf Minuten Zeit und schreibt auf was du alles siehst. Du wirst nicht glauben, was in fünf Minuten alles passiert obwohl auf den ersten Blick eigentlich gar nichts Aufregendes geschieht!

Auch hier wird es wieder schwer, den Ansprüchen eines „richtigen Ethogrammes“ gerecht zu werden. Wenn meine Pferde mich sehen, verhalten sie sich erst einmal völlig anders als wenn ich nicht da bin und das wird bei deinem nicht anders sein. Also am besten unauffällig anschleichen und aus einem guten Versteck heraus beobachten  😉  Spannend ist es dann, an einem weiteren Tag mit möglichst ähnlichen Einflüssen einen Stuhl mitten auf die Koppel zu stellen und zu dokumentieren. Zuhause kannst du dann im Nachhinein vergleichen! Oder an einem Tag mit völlig anderen äußeren Gegebenheiten, wie z.B. ein netter Hagelschauer   😉

Das Ethogramm – Was wir beim Hinschauen alles lernen können!

Das ist vielleicht viel mehr, als du dir jetzt beim Lesen vorstellen kannst:

Aus der Verhaltensforschung und Tierpsychologie: den Blick für Feinheiten schulen

Versuche mal so exakt wie möglich zu beobachten: Statt „Pferd A schubbert sich an der Heuraufe“  schreibst du: „Pferd A geht im Schritt aus der Schutzhütte zur Heuraufe, stellt sich parallel zur Raufe auf, senkt den Kopf unter die Hals-Rücken-Linie und kratzt die rechte Halsseite im oberen Drittel am Eckbalken der Raufe. Gezählt 9 Bewegungen. Dann geht es 2 Schritte (linkes und rechtes Vorderbein) vor und reibt die rechte Schulter am Eckbalken. Gezählt 6 Bewegungen. Pferd B geht im Schritt auf Pferd A zu…“

Nun wird es kompliziert… Ich habe oft weitergekritzelt ohne auf mein Blatt zu schauen um nichts zu verpassen. Wer blind auf dem Laptop tippen kann ist jetzt fein raus.

Super spannend ist es auch, eine 5 Minuten dauernde Szene auf Video aufzunehmen und dann Zuhause das Gesehene zu notieren. Wenn man das Video 5 x schauen, zwischendurch anhalten und bei besonders aufschlussreichen Szenen mehrfach zurücksetzen kann, sieht man natürlich noch viel mehr Feinheiten!

Die Energien der Herde wahrnehmen

Das ist etwas, was ich ebenfalls sehr gerne empfehle! Vielen Menschen fällt es schwer, sich „nur“ still zu verhalten, zu beobachten, zu fühlen und „nichts“ zu tun. Wenn es dir auch so geht, ist das Schreiben eines Ethogrammes ein guter Zwischenschritt, weil du ja etwas „tust“, nämlich aktiv beobachten und schreiben. Dieser Schritt hat schon viele meiner Schüler auf dem Weg vom Kopf zum Herzen begleitet und geführt.

Sobald du zur Ruhe gekommen bist und immer mehr von den Pferden und eurem Umfeld wahrnimmst, weil deine eigenen 1.000 Gedanken immer unwichtiger geworden sind, kannst du deinen Blick öffnen und mehr mit dem Herzen als mit dem Verstand sehen.

Spürst die Stimmung und die Energie eines einzelnen Pferdes? Wie fühlt sich dein Pferd an, wenn es neben einem befreundeten Pferd steht und frisst? Wenn es in einer ruhigen Ecke steht oder liegt und schläft? Was verändert sich, wenn das Heu in der Raufe knapp wird und ein Pferd ein anderes von den letzten Halmen verscheucht? Was macht das mit dir?

All dies kannst du vielleicht nicht beim ersten Mal und in den ersten zehn Minuten fühlen. Aber das macht nichts – ich sprach ja davon, dass Hinschauen und Einfühlen süchtig macht. 😉

Parallelen zwischen einem Ethogramm und Video-Coaching?

Ja, die gibt es! Hinzuschauen ohne zu (be)werten oder zu urteilen ist einer der vielen großen Pluspunkte vom telefonischen Video-Coaching, bei dem wir uns Videos von dir und deinem Pferd gemeinsam anschauen und analysieren. Bei Problemen im täglichen Umgang, beim Verladen, bei der Bodenarbeit, in Zirkuslektionen, Freiheitsdressur…

Ich bin Mona Schäfer und ich helfe (hoch)sensiblen Menschen und Pferden, ihre Probleme zu lösen und ein in sich ruhendes Dream-Team zu werden.

Du möchtest meine Vorgehensweise genauer kennen lernen? Dann schreibe mir eine kurze Nachricht und wir finden einen Termin für ein gratis Schnuppertelefonat. 

Wenn du dich mit anderen (hoch)sensiblen Pferde-Menschen austauschen möchtest, komme gerne in unsere Gruppe „(Hoch)sensibilität bei Mensch und Pferd“ (bitte hier klicken)

Last but not least: Vielen lieben Dank an Lena Meder Fotografie für das wunderschöne Foto von Unanime do Lima.

Veröffentlicht von

Mona Schäfer

(Hoch)sensible Menschen & Pferde werden zu einer Einheit im Denken, Fühlen & Handeln, sobald sie sich gemeinsam begeistern für das was sie tun!

2 thoughts on “Das Ethogramm – Was wir beim Hinschauen alles lernen können!”

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