Vom Tun und Lassen zwischen Menschen und Pferden

Was sind für dich die wichtigsten Dinge im Zusammensein mit Pferden? Beantworte diese Frage gerne in Gedanken, bevor du weiter liest. Welche Begriffe fallen dir spontan ein?

Vertrauen, Respekt, Verbundenheit, Konsequenz,  Zeit, Liebe, Wissen, Neugier, Kommunikation, Geduld…?

Aktuell beschäftigt das Thema (fehlende) Geduld ganz besonders viele Menschen und ich finde es ist es wert, genauer angeschaut zu werden.

Geduld und Zeit beim Verladetraining

Gerade beim Verladetraining höre ich den Satz „Ich habe meinem Pferd so viel Zeit gegeben und habe so viel Geduld mit ihm, aber wir kommen einfach nicht weiter“ häufig.  Deshalb möchte ich das Verladen als Beispiel nehmen, wobei die Grundidee natürlich 1 zu 1 auf die Arbeit am Podest und viele andere Lektionen zu übertragen ist. Vielen Menschen ist bewusst, wie wichtig  Zeit und Geduld sind und geben ihren Pferden auch ausreichend davon! Das macht mich immer sehr glücklich, denn wenn nun noch Verständnis und Wissen dazu kommen ist gutes Gelingen kein Hexenwerk. Herz und Hirn. Weil es Sinn macht, dass wir beides haben. 😉

Vom Tun und Lassen zwischen Menschen und Pferden: Das Timing entscheidet

Oft muss ich bei einem Verladetraining nur noch das richtige Timing dazu geben. Eben die Bedeutung vom Tun und Lassen erklären. Zu welchem Zeitpunkt soll der Mensch aktiv werden? Mit klarem Fokus in einer für das Pferd verständlichen Sprache gelassen und freundlich das Pferd bitten vorwärts zu gehen? Anspornende Energien einbringen, die Mut machen? Wann ist er dran mit Zuhören? Wann ist es besser, sich einfach nur zu entspannen und mit den Augen und dem Herzen auf Empfang zu sein, ohne eigene Aktivität?

Stillstand = Rückschritt?

Uns Menschen wird oft erklärt, dass Passivität Stillstand bedeutet und dass ohne ständige Aktivität keine Entwicklung möglich ist. Passivität würde direkt in den Stillstand führen und der irgendwann in den Tod. Ist das wirklich immer so?

Für ein Pferd kann es den sofortigen Tod bedeuten, ungeprüft einen Ort zu betreten, an dem Gefahr drohen könnte. Z. B. ein Ort mit hohen Wänden, so dass Feinde viel zu spät gesehen werden. Mit einem Dach, von dem aus ein Raubtier sich in seinem Genick festbeißen könnte. Ein Ort, der viel zu eng ist um sich umzudrehen und im Galopp zu flüchten. Ein Ort, der unter den Füßen hohl klingt, so dass er jederzeit einbrechen könnte.

Der Mensch warnt über Herzrasen, flache Atmung und hektische Bewegungen?

Dann ist erst recht Vorsicht geboten, denkt sich das Pferd! Und das ist der Moment, in dem wir ihm gegenüber besser gar nichts tun. Besser ist es, erst einmal a.) uns selbst einige zielführende Fragen stellen und b.) wieder energetisch in unsere Ruhe, Gelassenheit und Freude zu kommen.

Pferde wissen nichts von regelmäßigen TÜV-Terminen und ich habe schon Hänger gesehen, bei denen die Pferde zu recht Angst um ihr Leben hatten   🙁   Unter Stress, aus Angst oder aus Erfahrung heraus reagieren Pferde oft ohne zuzuhören auf das, was ihnen ihr (Erb)-gedächtnis zuruft. „Nix wie weg“  rückwärts eine schmale Rampe runter zu poltern kann schnell zu dem führen, was das Pferd befürchtet:  Zur Verletzung, in diesem Fall oft seiner Beine. Und ohne vier halbwegs gesunde Beine hat ein Pferd keine Überlebenschance. Okay, das flüstert ihm wieder sein Erbgedächtnis ein und das kennt weder Transportgamaschen noch moderne Operationsmethoden. Aber so weit soll es ja nicht kommen!

Erinnerung: Es geht um das „Tun & Lassen zwischen Menschen & Pferden“

Also bleibe ich immer dann passiv, wenn das Pferd sich mit der Situation und dem Hänger beschäftigt. Wenn es den Hänger anschaut, einen Schritt auf ihn zu geht, am Radkasten oder der Deichsel schnuppert, einen Huf auf die Rampe setzt oder am Belag der Rampe, der Plane oder dem Dach riecht.  Ein weiterer schwieriger Punkt liegt oft am Übergang von der Rampe zum Innenboden. Ein prüfendes Scharren mit einem Vorderhuf muss der Boden eines Hängers verkraften und ich gebe jedem Pferd die Möglichkeit zu diesem Test.

In diesen Momenten wechsel ich vom Tun zum Lassen. Das Pferd ist dran! Ich atme einige Male tiefer ein und aus, stehe sowieso entspannt, entlaste ein Bein, überprüfe ob ich meine Schultern noch ein bisschen mehr los lassen kann und wie meine Stimme klingt, wenn ich mit ihm oder seinem Menschen spreche.

Häufig beobachte ich Menschen, die all dies tun, während die Pferde sich vom Hänger abwenden, zu den Kollegen auf der Koppel schauen, sich über das Gras auf dem Parkplatz hermachen oder die gut gefüllte Jackentasche ihres Menschen durchkauen. „Ich möchte meinem Pferd die Zeit geben die es braucht“ ist ein wundervoller Satz, aber in diesen Momenten ist wieder Aktivität von uns gefragt! Wann immer das Pferd gedanklich und körperlich gemeinsam mit mir unterwegs ist bin ich natürlich lobend passiv. Nehme mit allen Sinnen auf was ich beobachte, ohne zu werten. Ist das Pferd mit anderen Gedanken beschäftigt oder versucht einfach zu gehen bin ich wieder dran mit dem Tun.

Was wir Menschen auch unbedingt lassen sollten sind Gespräche mit Zuschauern über das was war als…, mit diesem Pferd nie werden wird, weil… und wer oder was daran schuld ist, dass…

Du hast bis hierher gelesen?

Schön. 🙂 Wenn du dich mit anderen (hoch)sensiblen Menschen austauschen möchtest, komme gerne in unsere Facebook-Gruppe  (Hoch)sensibilität bei Mensch und Pferd.

Die Gruppe für alle Menschen, die gerne Herz und Hirn nutzen. Weil es Sinn macht, dass wir beides haben. 😉

Außerdem habe ich ein schönes Video für dich: Was Pferden beim Verladen wichtig ist, erklärt Tinker Findus.

Veröffentlicht von

Mona Schäfer

Mensch & Pferd werden zu einer Einheit im Denken, Fühlen & Handeln, sobald sie sich gemeinsam begeistern für das was sie tun! Durch echte Dialoge zwischen Pferd & Mensch.

2 Gedanken zu „Vom Tun und Lassen zwischen Menschen und Pferden“

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